Die Rebellion der Jakobiten


Nach der Vertreibung James` VII. (James II. von England) in der ‘Glorious Revolution’ versuchten dessen Anhänger die Jakobiten, benannt nach Jacobus (lateinischen Name James`) mehrfach ihm oder seinem Sohn wieder zum Thron verhelfen. Dies hatte jedoch weitreichende Folgen, die durch den Disarming Act bzw. den Act´s of Proscription heute noch spürbar sind.

Zusammensetzung

Auch wenn die Jakobiten gegen die vorgeschriebene protestantische Thronfolge opponierten, waren die Katholiken nur eine der Gruppierungen. Der Großteil der Jakobiten war sogar protestantisch.
Die meisten der Jakobiten waren eine Mischung aus schottischen Patrioten, wirtschaftlich in Not geratenen und Personen die den Stuarts loyal gegenüber waren. Auch kamen die Anhänger James` aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten, wodurch eine gewisse Dynamik entstand, gleichzeitig aber dafür sorgte, daß verschiedene militärische Aktionen behindert wurden.

Aufstand von 1689

Erstmals erhoben sich die Jakobiten unter Führung von John Graham of Claverhouse (Bonnie Dundee), der im April 1689 die Flagge James` auf dem Dundee Law –Dundee Law ist der Kern eines erloschenen Vulkans im Zentrum der Stadt- hisste.
Im Juli schlugen die Jakobiten Regierungstruppen in einer nur 10 minütigen ‘Schlacht bei Killiecrankie’, jedoch wurde dabei Graham durch eine verirrte Kugel getötet. Dies führte dazu, daß wenige Wochen später die Schlacht in Dunkeld ohne entsprechende Führungsperson ausgetragen wurde und sich die Jakobiten in ihre heimatlichen Gebiete zurückziehen mussten.

Nachdem auch James selbst in Irland scheiterte, war der Aufstand blutig niedergeschlagen worden. Im Nachgang ersann die englische Regierung unter William III. Pläne um Kontrolle über die Highlands zu bekommen, was im Endeffekt zum ‘Massaker von Glencoe’ führte.

The Fifteen

Der erste Jakobitenaufstand 1715

Nachdem eine Invasion mit französischer Unterstützung im Jahr 1708 scheiterte und Georg I. aus dem Haus Hannover 1714 –als Ausländer war er nicht sehr beliebt- den Thron übernahm, schien die Zeit reif für ein neuem Versuch.
Im Namen James` übernahm John Erskine, Earl of Mar die Führung der Jakobiten und hisste im September 1715 in Braemar die Standarte zum ersten großen Aufstand. Zwar verfügte Erskine über 12.000 Mann, zögerte aber und versäumte es dadurch die Initiative zu ergreifen, was den Engländern Zeit gab ihre Truppen in Stellung zu bringen.

Unter Führung von John Campbell, Duke of Argyll, wurde die jakobitische Streitmacht im November bei Sheriffmuir abgefangen und es kam zu einer Schlacht, die unentschieden endete.
Als James` Sohn, James Francis Edward Stuart (The Old Pretender), im Dezember in Peterhead landete, versuchte er vergeblich die Kampfmoral der Highlander zu stärken, da die großen schottischen Städte fest zur britischen Regierung hielten. Zusätzlich rückte Campbell mit frischen Kräften weiter vor und gewann den äußeren Norden Schottlands für die Regierung, bzw. Georg I., während die Jakobiten unorganisiert nach Montrose ausweichen mussten. Da sie auch keine Unterstützung Frankreichs bekamen –der französische Regent Philipp, Herzog von Orléans, versuchte eine Friedensabkommen und Bündnis mit England auszuhandeln- floh James mit Erskine im Februar 1716.

Der Atterbury-Putsch

Unter Anleitung von Francis Atterbury, Bischof von Rochester, wurde für Sommer 1722 ein größerer Putschversuch geplant.
Für die Verschwörung, die sich bis in höchste Kreise zog, wurde die militärische Unterstützung Frankreichs und als Geldgeber Papst Clemens, sowie Spanien gewonnen. Der Versuch wurde jedoch vom englischen Premierminister Robert Walpole im letzten Moment aufgedeckt und die maßgeblichen Beteiligten verhaftet. Trotz Folter und weiterer illegalen Verhaftungen konnte Walpole aber nur die Verurteilung des jakobitischen Agenten und Boten Christopher Layer erreichen, der grausam zu Tode gefoltert wurde.

Um neue Erhebungen der Jakobiten vorzubeugen und Teile der Highlands besser kontrollieren zu können, errichteten die Engländer Forts. Zusätzlich versuchte man durch Schulen und kirchliche Einrichtungen die englischen Sprache, sowie Sitten und Bräuche zu etablieren und alles Schottische zu verdrängen.

The Fourty-Five

Der zweite Jakobitenaufstand 1745

Im Juli 1745 landete der Sohn des “Old Pretender” Charles Edward Stuart (Bonnie Prince Charlie) mit wenigen Getreuen in Schottland, setzte bei Glenfinnan seine Standarte und nahm das Erbe seiner Familie in Besitz.
Sein jugendliches Ungestüm beflügelte die Jakobiten und er konnte im September mit ca. 3.000 Highlandern verschiedener Clans Edinburgh, jedoch nicht die Festung, einnehmen. Die unter Führung von John Cope zur Rückeroberung, anrückenden Truppen wurden von den Highlandern in der ‘Schlacht bei Prestonpans’ vernichtend geschlagen, wodurch bis auf Edinburgh Castle und Stirling Schottland in der Hand Charles war.

Doch die Kontrolle Schottlands reichte ihm nicht!
Mit seiner -inzwischen auf 5.000 Mann gewachsenen- Armee, marschierte Charles in England ein, wo er sich weiteren Zulauf englischer und irischer Jakobiten erhoffte, doch die englische Seite war vorsichtiger. Trotzdem gelang es ihm die Städte Lancaster, Carlisle und Manchester im Sturm einzunehmen und stand im Dezember nur 150 km vor London.
Das schnelle Vordringen der Jakobitenarmee versetzte die Stadt und den König Georg II. in Panik und trieb ihn, nach einer fälschlichen Meldung über eine Landung von 10.000 französischen Soldaten, in überstürzte Fluchtvorbereitungen.

Jetzt beging Charles einen Fehler.

Standarte der Jakobiten

Anstatt weiter auf London vorzurücken, befahl er auf Drängen seines Heerführers Lord Goerge Murray, den geordneten Rückzug. Murray schien ein Sturm auf London, fern der Nachschubwege, zu riskant und wollte die Kräfte in Schottland sammeln und für die entscheidende Schlacht ausgeruht wissen.
Nun rief die Regierung Georgs Sohn Wilhelm August, Herzog von Cumberland mit kampferprobten Truppen vom europäischen Festland zurück und den schickte sie den Schotten hinterher. Zwar schlug die Jakobitenarmee während ihres Rückzuges im Januar 1746 die britischen Truppen in der ‘Schlacht bei Falkirk’, wurde dann aber, hungernd und erschöpft, im April in der ‘Schlacht bei Culloden’ vernichtend geschlagen. In nur 25 Minuten wurde die Clanarmee ohne Gnade vernichtet und Wilhelm wurde in England als Retter gefeiert, während er in Schottland aufgrund seiner grausamen Verfolgung der Jakobiten, als Schlächter beschimpft wurde. Charles musste einsehen, daß sich ein weiterer Wiederstand nicht formieren ließ und er fliehen müsse.

Kämpfe der Jakobiten
Schlacht bei Prestonpans

In Österreich herrschte der Erbfolgekrieg.
Frankreich plante zwar eine Invasion Englands, zögerte aber während auch die schottischen Jakobiten zögerten.
Charles rüstete selbst eine Flotte aus und machte sich auf nach Schottland [mehr]

Schlacht bei Falkirk

Die Jakobiten konnten Edinburgh einnehmen.
Eine englische Vorhut entdeckte die Jakobiten schließlich auf ihren Weg zurück nach Schottland bei Falkirk [mehr]

Schlacht bei Culloden

Charles hatte die Vorherrschaft über Schottland.
Im April 1746 kam es jedoch zur schiksalshaften Schlacht bei Culloden [mehr]

Die Jakobiten heute

Die Thronfolge wird auf theoretischer Ebene weiter angefochten und bleibt theoretisch, da der Anspruch von Elisabeth II. oder ihrer Enkel William und Harry nicht schlechter ist als der der Jakobiten. Das heißt, solange die derzeitigen Erben der Krone nicht regierungsunfähig werden, bleibt die Thronfolge im Haus Mountbatten-Windsor (Windsor-Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg).
Die meisten Adelshäuser und Briten gehen davon aus, daß die Stuart-Linie mit dem Haus Hannover verschmolzen ist, da sie in männlicher Folge erloschen ist. Zudem wurde im ‘Act of Settlement’, der nie aufgehoben wurde, eine katholische Thronfolge ausgeschlossen.

Heutige Jakobiten führen eine romantische Genealogie, wobei seit Charles Edward Stuart kein Anspruch mehr erhoben wurde.
Außer bei den Jakobiten, wird nachdem der Thron “frei” wurde, der in Frage kommende Nachfolger von den führenden Adeligen des Parlaments bestimmt und ein Anspruch daher als erloschen betrachtet werden kann. Wenn kein Erbe ersten Grades (Sohn/Tochter) vorhanden ist, bestimmt das Parlament über die Thronfolge, welches die jakobitische Linie als erloschen betrachtet.
Mit dem Tod von Henry Benedict Stuart, dem Sohn James` VII., ist das Haus Stuart in männlicher Linie offiziell ausgestorben. Daß die alten Ansprüche weiter verfolgt werden liegt mehr am Wunsch eines unabhängigen Schottland, als an englischen Royalisten. Dementsprechend finden sich die modernen Jakobiten als ‘Defenders of Scotland’ im Internet, lehnen den ‘Act of Union’ von 1707 ab und betrachtet das vereinigte Königreich als illegal.