Gestern waren die Jakobiten, und heute…

Schottland nach 1746

Schottland bekommt ein neues Gesicht

Nachdem die Jakobiten 1746 in der ‘Schlacht bei Culloden’ die entscheidende Niederlage der Jakobitenaufstände erlitten, begann der Untergang des bis dahin bekannten Schottlands.
Durch den ‘Act of Proscription’ und dem ‘Dress Act’ verschwanden die typischen Symbole wie Kilt und Tartan und das bestehende Clan-System wurde abgeschafft. 1782 wurde der Dress Act zwar wieder aufgehoben, doch für das Wissen um z.B. der Herstellung und Aussehen der Tartans war es zu spät.

Ca. 1780 begannen die ‘Highland Clearances’, in denen die ansässige Landbevölkerung und Kleinbauern umgesiedelt und vertrieben wurden um Platz für die Schafzucht zu schaffen. Eine zweite Vertreibungswelle folgte 1910 und das Gesicht der schottischen Highlands änderte sich nachhaltig. 1981 lebte nur noch jeder fünfte Schotte in den Highlands.

Ab 1820 hielt die industrielle Revolution in Schottland Einzug.
War bis dahin die Textilindustrie die Haupteinnahmequelle, begann man nun mit Kohlebergbau und Schiffsbau. Zwischen 1970 und 1975 fing man sogar an, in der schottischen Nordsee Öl zu fördern.
Der Drang nach Eigenständigkeit war ungebrochen. So gestand die Londoner Regierung im Jahr 1934 Schottland mehr Selbstbestimmungsrechte zu, doch eine Volksabstimmung zu Unabhängigkeit 1979 scheiterte mangels Wahlbeteiligung. Erst 1997 stimmten fast 75% der Bevölkerung für ein eigenes Parlament, welches Ende Juni 1999 zum ersten Mal zusammen trat.

Kommt jetzt die ersehnte Unabhänigkeit?

Um doch noch eine Chance für die vollständige Unabhängigkeit zu haben, vereinbarten der schottische Minister Alex Salmond und der britische Premierminister David Cameron im Oktober 2012 schriftlich, daß die Schotten im Herbst 2014 in einem Referendum über die Unabhängigkeit Schottlands abstimmen dürften.
Im September 2014 war es, mit einer beeindruckenden Wahlbeteiligung von 85%, endlich soweit.
Doch es kam anders als viele vermuteten. Während die jüngere Bevölkerung für die Abspaltung von Großbritannien stimmte, war die aus älteren bestehende Mehrheit (55%) dagegen. Manche vermuten, daß die Gründe hierfür darin lagen, daß viele Fragen, wie z.B. die Finanzierung des verschuldeten Schottlandes, nicht ausreichend geklärt waren. Weitere Vermutungen legen nahe, daß ein Großteil der Bevölkerung einfach an die Bindung zu Großbritannien gewohnt war. Allerdings kündigte Cameron nach der Volksabstimmung an Reformen umzusetzen, wodurch Schottland noch mehr Selbstbestimmungsrechte erhalten soll.

Ein Jahr später kam es wieder zu politischen Spannung.
Mitauslöser waren die Eurokrise -teilweise hervorgerufen durch Griechenland, Meinungsverschiedenheiten mit dem EU-Parlament in Brüssel und der starken, europaweiten, Zuwanderung von Flüchtlingen ab Ende 2015. Dies führte dazu, daß die britische Regierung den Ausstieg Großbritanniens aus der EU erwägt.
Im Juni 2016 sollte eine Volksabstimmung für den ‘Brexit’ (Kunstwort für den Britischen Ausstieg aus der EU) sattfinden. Die derzeitige Regierungschefin Schottlands Nicola Sturgeon hielt es bereits vor der Abstimmung -bei einem Votum für den Ausstieg- für nahezu sicher, daß dies ein erneutes Referendum über Abspaltung Schottlands von Großbritannien zur Folge hat und versucht mit einer großangelegten Kampanie die schottische Bevölkerung von einem Abschied von Großbritannien zu überzeugen.
Am 23. Juni 2016 stimmte das britischie Volk schließlich für einen Austritt aus der Europäischen Union, in dessen Folge Cameron seinen Rücktritt als Premierminister ankündigte. Bereits kurz nach bekanntbage des Wahlergebnisses verkündete Schottland und Nord-Irland seinen Wunsch in der EU verbleiben zu wollen. Dies könnte eine Spaltung dier britischen Länder, die Wiedervereinigung Irlands bedeuten und letztendlich doch zur Unabhängigkeit Schottlands führen. Die politischen und wirtschaftlichen Folgen sind allerdings noch nicht ab zu sehen und müssen vor einer Souverenität geklärt werden.

Wenige Tage nach dem Referendum machte sich Ernüchterung breit, und es schien als würden die Brexit-Befürworter anfangen über ihre Entscheidung nach zu denken. Es wurde sogar eine Pedition verfasst an der sich 3 Millionen Menschen (Stand 27.6.16) beteiligten, um die Abstimmung für ungültig zu erklären. Gleichzeitig wurden die Stimmen lauter, die die Abspaltung Schottlands und Nord-Irlands von Großbritannien fordern. Sogar der Bürgermeister Londons wurde aufgefordert für die Hauptstadt die Unabhängigkeit zu fordern. Innerhalb Europas fanden verstärkt “Krisensitzungen” statt, um das weitere Vorgehen zu beraten.

Der Bresxit ist beschlossene Sache und soll nun Anfang 2019 beginnen.
Die Lage ist jedoch verworren, da die Mehrheit der britischen Regierung gegen das von Premierministerin Theresa May verhandelte Abkommen mit der EU ist, welches den Brexit regelt. SIe fordern eine Nachverhandlung des Deals, welche seitens der EU abgelehnt wird.
Sollte es bis Ende März 2019 zu keiner Einigung kommen, wäre die Folge ein harter Brexit mit schweren Folgen für Großbritannien.
Parallel geht die Kampanie für ein zweites Referendum zur schottischen Unabhängigkeit mit verbleib in der EU, bzw. mit Eintritt Schottlands in die EU weiter.

Unterstützung hierfür kommt aus aller Welt.
Einen grßen Anteil daran hat die Gruppierung Germans for scottish Independence, welche mit Demonstrationen und Werbe-Kampanien auf der Seite der Unabhängigkeit kämpft, da viele deutsche entweder familiär oder durch kulturelles Interesse sympathien für Schottland und dessen Unabhängikeit haben.