Mary II. & Wilhelm III. von Oranien


Mary

Mary, benannt nach ihrer Tante, Prinzessin Maria von Oranien und ihrer Ur-Urgroßmutter Königin Mary Stuart von Schottland, war neben ihrer Schwester Anne eins von zwei Kindern die das Erwachsenenalter erreichte. Einen Teil ihrer Kindheit verbrachte sie in Twickenham, wo ihre Eltern von Edward Hyde, Earl of Clarendon, ein Haus geschenkt bekamen.
Zur Zeit der Pest (1665-67) lebte sie in York. Da ihr Vater versuchte eine gute Beziehung zum franz. König Ludwig XIV. zu pflegen, wurde Mary eine Heirat mit dessen Thronfolger in Aussicht gestellt.

Wilhem

Als einziger Sohn von Wilhem II. von Oranien -Wilhelm II. ist acht Tage nach der Geburt seines Sohnes gestorben- und Mary Henrietta Stuart gehörte Wilhelm III. zur bedeutendsten Adelsfamilie des Niederländischen Königshauses. 1670/71 reiste er nach England um, um James` VII/II. Tochter Mary zu werben, was dieser jedoch ablehnte.
Nach dem Sturz des regierenden Johan de Witts im Jahre 1672 wurde Wilhem zum Stadthalter, Generalkapitän und Admiral ernannt. Im darauffolgenden französisch-niederländischen Krieg errang er einige Siege über die Truppen Ludwigs XIV., aber auch Niederlagen.

Eckdaten

*04/1662
†12/1694
Vater
James VII/II.
Mutter
Anne Hayde
Ehe
William III. von Oranien
Kinder
3 Tot-Geburten
Krönung
04/1689 in Westminster Abbey mit William III.
Regentschaft
02/1689 bis 1694

*11/1650
†03/1702
Vater
William II. v. Oranien
Mutter
Mary Henrietta Stuart, Tochter Charles` I.
Ehe
Mary II., Tochter James` VII
Kinder
3 Tot-Geburten
Krönung
04/1689 in Westminster Abbey mit Mary II.
Regentschaft
02/1689 bis 1702

Ehe von Mary und Wilhelm

Auf Druck König Charles II. griff man 1674 die Heiratspläne mit Wilhelm III. von Oranien wieder auf und James stimmte im Oktober 1677 einer Heirat zu. Als Mary dies erfuhr, soll sie zwei Tage geweint haben. Die Hochzeit fand schließlich November im St. James Palace statt.
Wie damals üblich, wurden die Jungvermählten vom König und einer Delegation zu Bett begleitet. Am Darauf folgenden Tag, wurden Mary die nachträglich eingetroffen Juwelen als Mitgift überreicht und der Unterhalt Marys vereinbart.

Gemeinsames Leben in den Niederlanden

Mary wollte die Genesung ihrer an Pocken erkrankten Schwester Anne abwarten und verlies mit Wilhelm erst einige Tage nach einem zu Katharinas von Braganza Geburtstag veranstalteten Ball äußerst unwillig England.
Eine stürmische Seereise später erreichten sie und ihr Gefolge die Niederländische Küste. Da aber die Flüsse zugefroren waren, konnten sie nicht Rotterdam ansteuern sondern mussten auf ein westlich von Den Haag liegendes Dorf ausweichen. Nach einem frostigen Fußmarsch wurden sie von Kutschen abgeholt und hielten einen umjubelten Einzug in Den Haag. In den folgenden Jahren führte Mary ein einsames und zurückgezogenes Leben, während Wilhem seine Pflichten als Stadthalter und Admiral erfüllte.

Im Laufe der Zeit wurde Mary zunehmend frommer und erweiterte ihre Bildung, so daß Kaplan George Hooper, der ab 1680 für 18 Monate in ihrem Dienst stand, ihren Lebenswandel und ein moralisch einwandfreies Verhalten bescheinigte. Zwar entwickelte Mary langsam Ergebenheit für William, verliefen jedoch die ersten Jahre der Ehe eher unglücklich. Wilhem zeigte wenig Zuneigung für Mary, legte sich rasch Elizabeth Villiers als Geliebte -der in Marys Dienst stehende Nachfolger Hoopers Thomas Ken kritisierte ihn dafür- zu und war oft auf Feldzügen.
Im Oktober 1678 erhielt Mary Besuch von ihrer Stiefmutter und ihrer Schwester -im Februar 1679 folgte ihr Vater James- bei dem Katharina durch das Klima Schüttelfrost bekam und zur Kur nach Aachen weiter reiste. Im Oktober 1679 folgte ein weiter Besuch, wobei es das letzte Treffen mit ihrem Vater war. 1686 wurde der schottische Theologe und Historiker Gilbert Burnet der Berater Marys und Williams. Laut seiner eigenen Darstellung, machte er Mary darauf Aufmerksam, daß im Falle ihrer Thronerhebung in England, Wilhem keine Machtbefugnisse hätte und schlug ihr -vermutlich im Auftrag Williams- vor die Regierungsgewalt an ihren Gemahl abzutreten. Mary soll daraufhin William versprochen haben, alles ihr Mögliche zu unternehmen, damit er König wird.

Auf dem Weg zum Thron

Als Mary von den Geschehnissen in England erfuhr -James VII/II. begann die Rechte der Katholiken zu stärken- war sie besorgt.
In einem Brief bat sie ihren Vater gegen Ludwig XIV. zu intervenieren, welcher nach Oranien geflohene Hugenotten (französische Protestanten) verfolgte und war von seiner Ignorierung verärgert. Durch die weiteren Maßnahmen ihres Vaters und der Geburt seines Sohnes (siehe James VII.) spitzte sich die Lage in England weiter zu.
Auch wenn Mary und Wilhem zur Geburt des Kindes gratulierten, schenkte sie bald den Gerüchten glauben, Maria hätte James das Kind untergeschoben. Im Juni 1688 wurde Wilhelm in einem Brief schließlich gebeten in Großbritannien einzugreifen, worauf er während des Sommers Truppen rekrutierte. Schweren Herzens, entschied sich Mary ihrem Gatten beizustehen, da sie überzeugt war, sie solle durch den vermeintlich untergeschobenen Sohn um den Thron gebracht werden.

September 1688 kündigte William seine Intervention an, attackierte aber geschickter Weise nicht den König, sondern propagierte sich als Verteidiger des englischen Protestantismus der lediglich die Einsetzung eines frei gewählten Parlaments erreichen will.
Im November landete William -der erste Versuch scheiterte wegen Sturm unter großen Verlusten- mit 15.000 Mann in Südengland, konnte trotz anfänglich kritischer Lage die Oberhand gewinnen, seine Gegner besiegen und James gefangen nehmen. Er übernahm die Regierung und schrieb Wahlen für ein neues Parlament aus, welches die politische Krise bewältigen und über die Thronfolge entscheiden solle. Während dieser Zeit machte sich die in den Niederlanden gebliebene Mary große Sorgen um ihren Gatten.
Im Dezember, als sie von der Flucht ihres Vaters hörte, erhielt sie Aufforderung sich für die Reise nach England bereit zu halten. Im Januar 1689 wurde Mary von Admiral Arthur Herbert aus den, ihr ans herzgewachsenen, Niederlanden abgeholt und erreichte Februar London. Auch wenn sie sich freute ihren Gemahl und ihre Schwester wiederzusehen, bedrückte sie die Sorge um ihren Vater und wurde daher von Wilhelm gebeten sich möglichst fröhlich zu zeigen. Laut wahrscheinlich übertriebenen Zeitgenössischen Berichten folgte sie diesem Rat zu sehr, so schaute sie im Palast in alle Zimmer und unter sämtliche Decken, was sonst nur in Gasthäusern gemacht wurde.
Im selben Monat wurde Mary und William seitens des Parlaments die englische Krone angeboten und eine ‘Decleration of Rights’ überreicht, in der die Rechte des Parlaments gestärkt und die Souveränität des Monarchen beschnitten wird. Sie stimmte beiden Anträgen zu und beschritten so Englands Weg zur konstitutionellen Monarchie.
In einer, in Europa äußerst seltenen Doppelkrönung, wurden sie im April 1689 in der Westminster Abbey zu König und Königin gekrönt, wobei sie von der pompösen Zeremonie nicht sehr angetan waren, welche wie folgt überliefert wurde:

Am Vormittag waren sie von ihrem Palast in Whitehall zum in Westminster gelegenen Parlamentsgebäude gereist und von dort in Begleitung des Adels und hohen Klerus weiter zur Westminster Abbey gezogen.
Der inzwischen zum Bischof von Salisbury beförderte Gilbert Burnet hielt eine Predigt. Beim folgenden Krönungsakt nahmen Mitglieder des Unterhauses erstmals in der englischen Geschichte einen bedeutsamen Platz in der Krönungskirche ein. Das Königspaar schwor eine neue Eidesformel, die sie zur Beachtung der vom Parlament beschlossenen Gesetze verpflichtete, womit sich dessen gestärkte Rolle zeigte. Danach setzte es sich auf zwei Stühle, erhielt die königlichen Insignien überreicht und wurde vom Bischof von London, Henry Compton, gekrönt, da der eigentlich hierfür zuständige Erzbischof von Canterbury, William Sancroft, Wilhelm nicht als legitimen Monarchen anerkannte und daher diesen Akt nicht vornahm.
Am Abend fand schließlich ein Festbankett stand.

Auch das schottische Parlament erkannte Mary und Wilhelm als souverän an, die wiederum formell die schottische Krone im Mai, in Anwesenheit hochrangiger Vertreter, akzeptierten.

Anfangs ihrer Regierung beteiligte sich Mary ihrem eigenen Wunsch entsprechend wenig an den politischen Geschäften, da sie durch ihren langen Aufenthalt in den Niederlanden mit den Zeremonien und der Etikette nicht mehr vertraut war.
Das änderte sich, als das Parlament den ‘Regency Act’ verabschiedete und Mary demnach in Abwesenheit Wilhelms allein regieren muss.
Irland war noch nicht in den Händen des Königspaar, da James von dort aus Versuchte das Königreich zurück zu gewinnen. Wilhelm setzte im Juni 1690 mit einer Streitmacht über um James persönlich gegenüber zu treten und Mary musste, obwohl nicht für solche Aufgaben geschult, allein die Regierung übernehmen.
Angelegenheiten die keine Dringlichkeit hatten, leitete sie an Wilhelm nach Irland weiter. Für die übrigen hatte Wilhelm ihr einen neun-köpfigen Kronrat zur Seite gestellt, der sich aber aufgrund unterschiedlicher Parteizugehörigkeit oft uneins war. Während Mary ihren Berater keine große Wertschätzung entgegen brachte, dachten diese, sie könnten wegen ihrer Unerfahrenheit ihre eigenen Interessen durchsetzen und unterschätzten die Königin dabei.

Ebenfalls während Wilhelms Aufenthalt in den Niederlanden 1691 konnte sich Mary als Kopf der Regierung behaupten.

Die Geschwister entzweien sich

Im Lauf des Jahres 1691 nahmen die Spannungen zwischen Mary und ihrer Schwester Anne weiter zu.
Das ganze begann, als Anne ohne dem Wissen ihrer Schwester ein finanzielles Einkommen mit dem Parlament aushandelte. Zusätzlich wurde nach dem Irlandfeldzug die Leistung Annes Ehemann, Prinz Georg v. Dänemark, nicht gewürdigt und ihm der Dienst in der Marine verweigert.

Verschärft wurde die Situation, als Wilhelm Januar 1692 Annes Günstling, den Earl of Marlborough, verdächtigte mit dem entthronten James in verschwörerischen Kontakt zu stehen, ihn seiner Ämter enthob und ihn mit seiner Gattin des königlichen Hofes verwies.
Als Anne mit dessen Frau wenige Wochen später dennoch bei Hofe auftauchte, forderte Mary deren Entlassung aus Annes Diensten.
Auch bei einen Besuch der erkrankten Mary im April/Mai weigerte sich Anne weiter Sarah Churchill zu entlassen. Dadurch war der Bruch endgültig und es fanden keine weiteren Kontakte mehr statt.

Letzte gemeinsame Jahre

Während Mary 1692 wieder allein die Regierungsgeschäfte führte, gab ein Betrüger Namens Robert Young an, daß angeblich ein Komplott im Gange sei, mit dem James zurück auf den Thron verholfen werden soll. Weiter gab er an, der Earl of Marlborough wäre darin verwickelt, so daß dieser im Mai und Juni mehrere Wochen im Tower of London verbringen musste, bis der Schwindel schließlich aufflog. Durch diese Verhaftung befürchteten viele Offiziere, es könnte eine Säuberungswelle geben und planten gerüchteweise sich auf die Seite James zu schlagen. Die Königin schrieb daraufhin einen Brief an den Admiral Edward Russell, in dem sie ihr Vertrauen in die Pflichttreue der Seestreitkräfte betonte. Dies bewirkte eine Loyalitätsbekundung von 64 Marineoffizieren und es konnte in der Schlacht bei La Hogue ein Sieg der englisch-niederländischen Flotte über das französische Geschwader errungen werden, woraufhin Frankreich seine Invasionspläne einstellte.
Während Wilhelm sich um Gesetze und Befehle kümmerte, die unteranderem das ‘Massaker von Glencoe’ zur Folge hatte, machte Mary sich Gedanken um Moral ihrer Landsleute, da sonst -so fürchtete sie- die Nation den Zorn Gottes auf sich ziehen würde. Sie erteilte den Magistraten den Befehl, Gesetze gegen lasterhaftes und sittenloses Benehmen durchzusetzen. Als Mary im Jahre 1693 wieder die Führung der Regierung übernahm, wurde für sie die politische Lage schwierig. Der Kronrat war zerstritten, das Parlament ließ sich wenig sagen und Wilhelm hatte bei seiner Rückkehr kein Lob für sie übrig da sie sich unterschiedlichen Parteien zuwendeten.

Im Jahr 1694 übte sie zum letzten Mal die Regentschaft aus, da sie sich trotz ihres relativ jungen Alters zunehmend müde fühlte und an Altersbeschwerden litt. Ab Dezember traten ernstere Krankheitssymptome auf, von denen sie sich wieder erholte. Sie schrieb ihrem Gatten einen Brief, in dem sie ihm seine Untreue vorwarf, der aber erst nach ihrem Tod überreicht werden sollte.
Nach einem erneuten Krankheitsschub diagnostizierte ein Arzt zunächst die Masern, doch am Weihnachtstag entdeckte man eine Pockeninfektion und Mary erhielt zwei Tage später die Nachricht ihres bevorstehenden Todes. Wilhelm war sehr bestürzt und nächtigte auf einem Notbett in Marys Zimmer. Auch ihre Schwester Anne wollte sie nochmals sehen, wurde jedoch wegen der Ansteckungsgefahr vom König abgewiesen.

Mary starb Ende Dezember gegen ein Uhr nachts.

Erst jetzt gab Wilhelm seine langjährige Beziehung zu seiner Geliebten Elisabeth Villiers auf, übergab Marys Juwelen ihrer Schwester Anne und ging keine neue Ehe mehr ein.
Während die Jakobiten den Tod Marys in Schmähschriften als göttliche Strafe für ihr Verhalten ihrem Vater gegenüber sahen, behaupteten ihre Anhänger ihr Tod Folge des sündigen Lebens der Engländer sei. Mary wurde einbalsamiert, zwei Wochen aufgebahrt und in der Kapelle Henry VII. in der Westminster Abbey beigesetzt. Ungewöhnlicher Weise waren dabei beide Häuser des Parlaments anwesend, da diese sonst nach den Tod des Monarchen aufgelöst werden. Auch in den Niederlanden wurden Trauerfeierlichkeiten abgehalten, während James in seinem Exil verbot, Andachten für seine Tochter abzuhalten.

Wilhelm starb im März 1702 an den Folgen eines Reitunfalls und wurde an der Seite Marys bestattet.
Da ihre Ehe kinderlos blieb, setzte er per Testament Johann Wilhelm Friso als Universalerben ein.