Die Geschichte des Kilts


Denkt man an Dinge die für Schottland typisch sind, denkt man auch an ihn… den Kilt mit seinem Tartan. Das Kleidungsstück eines Highlanders.
Die Länge des Kilts wird so gewählt, daß er dem Träger bis zu den Knien reicht, aber beim “hinknien” nicht den Boden berührt. Laut einer Legende soll man an daran auch erkennen können ob der Träger verheiratet oder Single ist. Ist das Knie deutlich zu sehen, ist man Single, wenn das Knie vom Kilt verdeckt wird ist es ein Zeichen, daß man versprochen der verheiratet ist. Ich halte dies jedoch für einen Mythos, da ich keine Nachweise oder Hinwise dafür finden konnte.

Der Kilt wie man ihn heute kennt ist eine Erfindung des 18. Jahrhunderts. Was einige nicht wissen, in den ersten Jahrhunderten wurde auch in Schottland “normale” Kleidung -also Hosen etc.- getragen.

Der Tartan

Der älteste Fund eines Karomusters bei einem Stoff -das sogenannte ‘Falkirk Sett’, oder auch the shepard´s plaid– stammt aus dem 3. Jahrhundert v.Ch. Diese Kleidung enthielt allerdings Hosen und keinen Kilt oder Belted Plaid und es lässt sich auch keine Verbindung zu den heutigen Clan-Tartans nachweisen.

Der Tartan -angeblich vom franz. Wort für Schildkröte abgeleitet- ist ein spezielles Muster, welches heute einen bestimmten Clan, oder einer Region zu geordnet wird. Beim Muster wird teilweise wie folgt unterschieden:

Clan TartanMuster für den allgemeinen Gebrauch innerhalb des Clans.
Heute bekannt als Modern-Tartan.
Dress TartanHellere Version des Clan Tartan für Damen.
Mourning TartanVorwiegend Schwarz-Weises Muster.
Reserviert für Trauerfeierlichkeiten.
Hunting TartanMuster in gedeckten farben.
Meist braun oder Natur-Töne für Jagd und Sport.

Die ersten bekannten Erwähnungen eines Tartan waren 1471 für James III. und in einem Rechnungsbuch von 1538 für einen Ballen ‘Heland Tartan’ für James V. Auch für den Hochzeitsmantel Charles II. wurde ein Tartanband verwendet.
Wie die Muster der Tartans genau aussahen kann heute nicht mehr gesagt werden, da durch ein Kilt-Verbot im Jahr 1746 das Wissen um Herstellung und Färbung aus der damaligen Zeit verloren ging. Was jedoch gegen einen Clan reservierten Tartan spricht, ist das die Angehörigen dessen in -einer Zeit von Fehden und Kriegen- mühelos ausgemacht werden konnten, was nicht wirklich förderlich für Leib und Leben war.
Die ältesten –nachgewiesenen– Tartans sind Regionen (districts) zugeordnet. Es wird vermutet das Weber und Bewohner lokale Muster und Färbstoffe bevorzugten und sich entsprechend kleideten. Einer dieser Tartans ist der ‘Huntly Tartan’, aus dem Nordosten Schottlands und wurde während des Jakobiteraufstands von etlichen Clans getragen. Auch Bonnie Prinz Charlie soll eine Variante davon getragen haben.
Des Weiteren wird angenommen, daß am Muster der Reichtum des Trägers erkennbar gewesen sei.
Während “Arme” einfarbige oder einfache Muster trugen, konnten sich reichere aufwendigere, mehrfarbige Muster leisten.

Kilt und Belted Plaid

Schottische Söldner bei der Landung in Stetin 1631

Wann der Kilt in seiner Urform als ‘Belted Plaid’ genau aufkam ist im Nebel der Geschichte verborgen.
Die erste offizielle Erwähnung des Bergriffs -auch als Kleidungsstück- findet sich Mitte des 16. Jahrhunderts zu Zeiten Elisabeth I. Vor dem Kilt wurden Hosen oder lange Tunika getragen. Der Belted Plaid war Decke und Kleidung in einem. In den heißen Sommermonaten wurde entweder nur das lange Hemd, welches zwischen den Beinen zusammen gebunden wurde, oder ein dünner gewebten Plaid getragen.
Das Wort Kilt ist altnordisch und bedeutet so viel wie “Stoff um den Körper festwickeln”. In Schottland eingeführt wurde der Begriff durch Skandinavische Einwanderer in den ersten Jahrhunderten Schottlands, welche eine ähnliche Kleidung trugen.

Auch wenn die erste schriftliche Erwähnung des Belted Plaid aus dem 16. Jahrhundert stammt, datieren mündliche Überlieferungen das Aufkommen dieses Kleidungsstück zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Da auch im Gegensatz zu Heute eine Kleidungsstil sich über ein gewissen Zeitraum entwickelte und nicht plötzlich da war, gehen einige davon aus, daß der Belted Plaid im Spätmittelalter Ende 15. Jahrhundert verbreitet war.

Trage-Varianten des Belted Plaid

Der Kilt bzw. Belted Plaid bestand je nach Träger und Legetechnik aus einer 4-8m langen und 1,5m breiten Stoffbahn, bei der der mittlere Teil in Falten gelegt wird und um dem Körper “gewickelt” wurde. Bevor jetzt jemand meckert… Die Webstühle konnten eine maximale Breite von ca. 80cm weben. Daher wurde oft eine 8m lange Bahn gewebt, welche anschließend geteilt und seitlich angenäht wurde um auf 4 X 1,5 – 1,6m zu kommen.
Gehalten wurde das ganze durch einen Gürtel an der Hüfte, während der restliche Stoff entweder hinten herunter hing, oder um den Oberkörper gelegt wurde.

Der Legende nach, wurde der Kilt wie wir ihn heute kennen 1725 von dem englischen Industriellen Thomas Rawlinson erfunden. Da er der Meinung war, daß die Voluminösen Plaids hinderlich und zu gefährlich für die Arbeit waren, schnitt er den oberen bzw. restlichen Teil ab und nähte die Falten in den Stoff ein.
Eine andere Legende besagt, daß zuvor schon ein Schotte diese Version des Kilts -den Early Kilt- entwickelte, welche sich in der Bevölkerung allerdings nicht durchsetzte. Im Wesentlichen unterscheidet sich der Early Kilt dadurch, daß der obere/restliche Teil ebenfalls fehlt, die Falten aber nicht eingenäht sind. Tatsache jedoch ist, daß ‘The Armorial Bearings of the Chief oft the Skenes’ von 1692 bereits diesen “verkürzten” Kilt zeigt.

Darstellung eines Arisad

Wie jedem bekannt sein dürfte ist das Tragen eines Kilts der Männerwelt vorbehalten. Doch was trugen die Damen?
Für Sie gab es den Arisad, welcher sich im Wesentlichen in zwei Punkten vom Kilt unterschied. Während der Kilt viele Falten und Knielang ist, hat der Arisad weniger Falten und ist Bodenlang.

Kilt Verbot

Nach den Jakobiten-Aufständen (1688-1746) wurde seitens des britischen Parlaments nicht nur das Clan-System abgeschafft, sondern auch das Tragen von Kilts verboten um vordergründig das schottische Selbstbewusstsein zu brechen. Begründet wurde es damit, daß der Plaid das ideale Kleidungsstück für Wegelagerer, Rebellen und Meuchelmörder sei, da man sich damit gut im Gebüsch verstecken und auf einer Heide tarnen könne. Des Weiteren könne man sich spontan einer Rebellion anschließen, weil der Plaid auch Decke benutzt werden könnte und sich die Aufständler nicht zuerst zu Hause ihre Sachen packen mussten.
Nur wenigen Ausnahmen war es weiterhin gestattet den Kilt zu tragen. Dies führte dazu, daß das Militär einen regen Zulauf hatte, da das Highland-Regiment zu diesen Ausnahmen gehörte.

George IV.

Als ab 1760 Gedichte und Erzählungen von James Macpherson und Sir Walter Scotts erschienen wendete sich das Blatt. Angespornt von diesen Werken taumelte Großbritannien regelrecht einer Schottland-Euphorie entgegen, wodurch der Dress Act 1782 wieder aufgehoben wurde. Den Höhepunkt der Begeisterung, kam 1822 mit Reise von Georgs IV. nach Schottland, bei der er ebenfalls Kilt trug.

Auch wenn die Zuordnung eines Tartan einem bestimmten Clans nicht wirklich haltbar ist, tragen die Schotten heute gerne ihren Tartan, wobei es auch neutrale Muster gibt. Diese tragen statt dem Clan-Namen, den einer Region (z.B. Edingburgh-Tartan) oder einer Organisation (Bsp. Royal Scottish Country Dance Society), oder werden völlig von solchen Assoziationen freigehalten.
Es wird auch keine Kontrolle durchgeführt, ob der derjenige dazu berechtigt ist den jeweiligen Tartan zu tragen. “Ausländer” können zwischen sämtlichen Tartan-Mustern frei wählen, wobei in Schottland das Tragen eines Clan-Tartan durch Fremde nicht gern gesehen ist, sofern sie nicht die Erlaubnus haben ode Angehörige einer Clan-Society sind. Tatsächlich gibt es aber keine rechtlich bindende Vorschrift, die dies verbieten würde. Dies zeigt sich vor allem dadurch, daß immer mehr nicht Schotten sich mit der schottischen Kultur identifizieren und sich die Schotten über diese Entwicklung sehr freuen.

Bis auf wenige Ausnahmen gilt der Kilt heute weniger als Alltagskleidung. Üblicherweise wird er “nur noch” zu festlichen Veranstaltungen oder von Mannschaften bei Sportevents getragen, wobei es einen zunehmend Trend zum Kilt gibt.

Zubehör

Sporran
Ein Kilt hat bekanntermaßen keine Taschen. Um dennoch seine Persönlich Sachen (Ausweis, Schlüssel etc.) mit sich führen zu können, gibt es den Sporran (schott. für Geldbeutel). Das ist eine braune oder schwarze Fell-Leder-Tasche die man mittels Gürtel üblicherweise an der Vorderseite trägt.
Beim Sporran unterscheidet man zwischen dem Alltags- und dem Festtags-Sporran. Während der Alltags-Sporran, eher schlicht -in den meisten Fällen befinden sich drei Leder-/ Fellquasten als Verzierung daran- gehalten werden, sind Festtags-Sporran größer und aufwendiger geschmückt. Pferdehaarsporran gehören zur Regimentsuniform und werden auch von den Pipern getragen.
 

Sgian Dubh

Der Sgian Dubh (gäl. schwarzer Dolch) oder auch Strumpfdolch ist ein traditionelles Messer. Es wurde verdeckt in den Kiltstrümpfen -den sog. Hoses- getragen, da es den Schotten durch den ‘Disarming Act’ von 1716 verboten war Waffen zu tragen und gehört seit dem 18. Jahrhundert zur ‘Kilt-Ausrüstung’.
Es ist nicht sicher worauf sich das Schwarz bezieht. Zwar waren die Griffe in der Regel aus schwarzem Ebenholz gefertigt, könnte es sich aber auch auf Schwarz=Versteckt beziehen. Das Sgian Dubh soll sich aus dem bis zum 17. Jahrhundert verwendeten und weniger weniger bekannten Sgian Achlais (Ärmeldolch) entwickelt haben, der in der Regel als Werkzeug und Essbesteck genutzt wurde.
Einer Legende zufolge, wurde der Sgian dubh in Kriegszeiten auf der Innenseite und während des Friedens auf der Außenseite des Beins getragen.

Heute gehört der Sgian dubh zu den Trachtenmessern und wird, da es mehr Rechts als Linkshänder gab, üblicherweise im rechten Strumpf getragen.

Unterwäsche

… oder was trägt der Schotte drunter

Was trägt der Schotte drunter?
Dieses wohlbehütete Geheimnis beschäftigt einige schon seit Generationen, vorne weg wahrscheinlich vor allem die Damenwelt.

Tatsächlich ist es so, daß das Gerücht von unten Ohne eine Erfindung der Lowlander, welche sich von den “barbarischen” Highlander abgrenzen wollten und den Kilt erst seit der Zeit von Königin Viktoria tragen. Fakt ist jedoch… Es gab keine Unterwäsche.
Was also machte ein Highlander gegen das “frei Schwingen” ?
Im großen und ganzen gab es zwei Möglichkeiten. Entweder wurde das doch relativ lange Hemd zwischen den Beinen zusammen gebunden, oder man trug ein spezielles Hemd, welches hinten länger war. Dieser “Latz wurde zweischen den Beinen durch gezogen und auf der Vorderseite mit Knöpfen befestigt. Heute bleibt es jedem selbst überlassen, ob er etwas unter dem Kilt trägt oder nicht. Meist sind es jedoch die jüngeren Männer auf, welche die Unterwäsche weg lassen wenn sie Frauen kennen lernen wollen.
Einzig für das Highland-Regiment wurde zwischen 1700 und 1800 eine Verordnung erlassen, welche das tragen von Unterwäsche verbot. Dies diente jedoche nur um besser gegen Ungeziefer (Filzläuse) vorbeugen zu können. Die Anordnung galt ca. 300 Jahre lang und wurde um 2000 wieder abgeschafft.

Was ist dann mit den Bildern, die man von Paraden für die Queen kennt, auf denen man sieht das die Träger nichts drunter tragen?
Diese Bilder sind Fakes. Photoshop machts möglich 😉

Auch die “Kunstszene” hat sich mit dieser Frage befasst und hat sie mit einem Augenzwinkern beantwortet.
Das Ergebnis finden Sie hier

Belted Plaid legen

Ich wurde schon desöfteren gefragt, ob es schwierig wäre einen Belted Plaid zu legen, bzw. wie es gehen würde.
Aus diesem Grund habe ich mal eine kleine Videoanleitung für den von mir bevorzugten “kleinen” Belted Plaid mit einer 4,5m langen Stoffbahn gemacht.
Diese Anleitung bezieht sich auf die heutige Methode den Plaid zu legen. Man kann nicht davon ausgehen, daß die Schotten sich die “Mühe” machten den Plaid jedesmal akkurat legten, zumal der Boden oftmals stark verschmutzt war und es ja auch mal schnell gehen musste. Es gibt Zeichnung, auf denen Schlitze im Plaid zu sehen sind. Einige Historiker sind sich daher einig, daß der Plaid in diesen “Gürtelschlaufen” aufgefedelt und dann um den Körper gebunden wurde, wodurch sich die Falten automatisch bildeten.